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Jeden Tag ein Moment mit mir

26. November 2017

Die Wahrscheinlichkeit während einer Zugfahrt eine gute Zeit zu haben, liegt bei 50:50.
Selbst ich als bekennende Anhängerin der Bahn gebe das unumwunden zu.
Naja. Und an diesem Morgen ist es mal wieder so weit.
Die wenig glanzvolle Seite der Medaille erwischt mich mit voller Breitseite!
Es ist noch früh und ich bin vollkommen übermüdet ( doch verhältnismäßig positiv) als ich an diesem Morgen in Leipzig in den Zug steige.
Die Nacht war kurz, der vor mir liegende Tag wird dafür umso länger. Und voll… zu voll!
Im Bord Bistro war der letzte freie Platz im ganzen Zug und YEAH!!! ich hab ihn mir geschnappt – immerhin, denn ansonsten:
überall mürrische Gesichter, eines davon meins… mürrisch – wie so oft in letzter Zeit. Ich gebe mir Mühe. Wirklich Mühe!
Aber es klappt maximal punktuell und auch nur mit größter Anstrengung, dass ich nicht andauernd genervt, gestresst oder komplett neben mir bin.
Die Klimaanlage scheint zu spinnen, es ist fürchterlich stickig, die Temperatur liegt bei gefühlten 35 Grad. Fabelhaft!
Eine sonore Stimme gibt durch, der Zug habe heute ausnahmsweise wenige Minuten Verspätung.
Der Cappuccino schmeckt jämmerlich und das obwohl ich mich so zuversichtlich fühlte,
als ich ihn bei den krass charmanten Jungs vom Bord Bistro bestellt habe.
(Zuversicht trotz Darreichung im „Pott“. Kann ich ja eigentlich gar nicht aushalten. Ich finde, das zeigt meine grundsätzliche Kapazität,
auch in schwierigen Situationen einen kühlen Kopf zu bewahren und guten Mutes zu bleiben.)
Nach vielen Minuten Stillstand fühle mich schon ordentlich runter, kann mein Glück kaum fassen, als der Zug wieder ins Rollen kommt.
Einen Wimpernschlag später gibt die angenehme Stimme durch, dass es auf halber Strecke nach Berlin einen Böschungsbrand gebe und noch nicht absehbar sei,
um wieviele Minuten sich die Weiterfahrt dadurch verzögere.
HEY! Ist doch kein Problem für mich! Hab ich doch Verständnis für! ICH hab ja keinen Zeitdruck, ICH fahr ja nur so zum Spaß mit dem Zug durch die Gegend,
bin ja froh, wenn ich was zu tun hab, was macht mir da schon so ein kleiner Böschungsbrand, so ein paar Minuten Verspätung!!!
MAAAAAANN!!!!! Ich dreh gleich durch, was ist eigentlich los in letzter Zeit?
Warum so wenig Flow?? Woran hakt es denn??? Mach ich irgendwas falsch? Oder läuft das Leben einfach (manchmal) so?
Manchmal in Klammern, weil ich IMMER! NUR! den Augenblick sehe und dann IMMER! SO SEHR!! FÜHLE!!!
Es ist ALLES! IMMER! SOOO SCHEISSE!!!… läuft schief oder läuft zumindest NICHT…
Fest steht, und daran denke ich in den letzten Wochen immer öfter: ICH MUSS ETWAS TUN!
(endlich wieder) MEDITIEREN! (endlich wieder) YOGA machen.
RUHE finden, für mich sein. Bei mir sein. Balance finden. Mehr Wasser trinken. Regelmäßiger essen.
Abends keine Filme oder im Netz abhängen – Nein! Dafür wieder mehr lesen, nähen, schreiben, zeichnen.
Und Brotaufstriche selbst machen. Und Kosmetik. Und coole Projekte mit meinem Sohn. Quality time mit meinem Liebsten.
Und….STOPP!!!! Diese Platte ist meine älteste Platte, sie hat noch keinen einzigen Kratzer, läuft astrein auf Dauerschleife und ist sofort aktiv,
wenn ich mal nen Moment habe. Diese verdammte Platte macht nichts besser!
Ich muss da irgendwie raus, denn irgendwie ist alles zuviel und gleichzeitig ist von allem zu wenig. Das kann nicht gut sein!
Ich brauche kleine Veränderungen. Veränderungen die durchführbar sind, integrierbar in mein Leben.
Kleine Dinge, die ich dann auch umsetzen kann, keine großartigen Ideen, die einfach zu viel erfordern
und mit denen ich mir dann nur ein weiteres Unwohlsein einfahre…
Vielleicht stimmt es ja wirklich, daß es oft die kleinen Dinge sind, die Großes bewirken?!
Wie fange ich an? YOGA! Mein bestes, liebstes, ältestes, vertrautestes Werkzeug
Yoga. Jeden Morgen oder Abend, egal. Einfach mal mit 10 Minuten beginnen.
Pranayama. Ball flach halten.
Bescheiden und realistisch bleiben. Nicht gleich alles auf einmal und das für immer und zu 100% auf Erfolgskurs.
Das scheint mir ein guter Plan. Jeden Tag ein kleiner Moment. Ein kleiner Moment nur für mich. Vielleicht ist es da sogar egal was ich mache.
Vielleicht ist die Hauptsache, daß ich mich ganz bewusst dafür entscheide, mich mir selbst zu widmen, mich wichtig zu nehmen und das nicht erst wenn das Kind abgestillt,
die Steuererklärung abgegeben, die Inventur erledigt oder der Besuch wieder abgereist ist…
Ich schätze mal 10 Minuten jeden Tag das kann (sogar) ich aufbringen.
Der Böschungsbrand scheint sich beruhigt zu haben, es gibt jedenfalls keine Verzögerung mehr und in mir drin ist es plötzlich auch viel ruhiger.
Und ganz entspannt fahre ich, mit dem Blick nach draußen in die Weite, nach Berlin zurück. Voller Ideen für ein neues Projekt, daß ich sofort starten werde.
Ich möchte es einfach mal ausprobieren und da ich für alles einen Arbeitstitel brauche, der mich irgendwie inspiriert, fliegt mir auch der aus den vorbeirauschenden Feldern zu:

 

                                                        ♥ ICH ♥ hier! jetzt! YEAH!!!
                                             21 Tage jeden Tag ein Moment mit mir

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